Wer mit Kindern nach Mallorca zieht, stellt ziemlich schnell fest: Die Frage nach der richtigen Schule gehört zu den schwierigsten überhaupt. Wir haben uns selbst intensiv damit beschäftigt – und ich kann nur sagen: Die eine richtige Antwort gibt es nicht.
Wie alt ist das Kind? Soll Mallorca dauerhaft der Lebensmittelpunkt werden oder ist der Aufenthalt nur für einige Jahre geplant? Welche Sprachen spricht das Kind bereits? Und gibt es vielleicht den Plan, irgendwann wieder nach Deutschland zurückzukehren?
All das spielt bei der Entscheidung eine Rolle.
Fangen wir bei den Basics an
In Spanien besuchen die meisten Kinder bereits ab drei Jahren die Vorschule, die sogenannte Educación Infantil. Sie ist zwar nicht verpflichtend, aber sehr weit verbreitet. Dort werden die Kinder schon früh auf die Grundschule vorbereitet und kommen mit Buchstaben, Zahlen sowie ersten Lese-, Schreib- und Rechenübungen in Berührung.
Die eigentliche Schulpflicht beginnt mit der Primaria im Alter von sechs Jahren und dauert bis zum 16. Lebensjahr.
Für ein deutsches Kind, das erst später in eine spanische Schule wechselt, kann der Einstieg deshalb durchaus anspruchsvoll sein. Es trifft möglicherweise auf andere Lernstände – und dann kommt natürlich noch die Sprache hinzu. Wer weder Spanisch noch Katalanisch beziehungsweise Mallorquín spricht, muss sich gleichzeitig in einem neuen Schulsystem und in einer neuen Sprache zurechtfinden.
Ich halte es deshalb für ausgesprochen wichtig, sich genau anzuschauen, wie eine Schule mit internationalen Kindern und Seiteneinsteigern umgeht.
Das müssen übrigens nicht zwangsläufig Privatschulen sein. Auch öffentliche und halbstaatliche Schulen können sehr gute Erfahrungen und Förderangebote für Kinder aus anderen Ländern haben. Internationale Privatschulen sind allerdings naturgemäß besonders stark darauf eingestellt, dass Kinder mit sehr unterschiedlichen sprachlichen Voraussetzungen zu ihnen kommen.
Der Wohnort spielt eine größere Rolle, als man zunächst denkt
Auch die Entfernung zur Schule sollte man nicht unterschätzen. Wer außerhalb von Palma lebt, hat unter Umständen eine deutlich kleinere Auswahl und muss teilweise erhebliche Schulwege in Kauf nehmen.
In Palma und im näheren Umland sieht es wesentlich besser aus. Hier ist die Auswahl groß – von öffentlichen Schulen über Concertados bis hin zu internationalen Privatschulen.
Aber auch hier gibt es einen Haken: Gerade bei beliebten privaten und internationalen Schulen gibt es Aufnahmeverfahren und teilweise lange Wartelisten.
Mein Rat deshalb: Wer einen Umzug nach Mallorca plant, sollte sich nicht erst um die Schule kümmern, wenn die Umzugskartons bereits gepackt sind. Je früher man sich informiert und Kontakt mit den infrage kommenden Schulen aufnimmt, desto besser.
Was kostet Schule auf Mallorca?
Öffentliche Schulen – die sogenannten colegios públicos – sind grundsätzlich kostenfrei. Trotzdem können natürlich Kosten entstehen, beispielsweise für Mittagessen, bestimmte Materialien, Ausflüge oder zusätzliche Aktivitäten.
Dann gibt es die sogenannten Concertados. Das sind Schulen in privater Trägerschaft, die teilweise vom Staat finanziert werden. Der reguläre Unterricht in den staatlich finanzierten Pflichtschulstufen ist grundsätzlich kostenfrei.
In der Praxis können jedoch Kosten für freiwillige Beiträge, Lehrmaterialien, Mittagessen, Aktivitäten, Schulbus oder andere Zusatzleistungen hinzukommen.
Viele Kinder essen mittags in der Schule. Wie der Schultag organisiert ist und wie lange die Kinder tatsächlich in der Schule bleiben, unterscheidet sich allerdings von Schule zu Schule.
Ähnlich verhält es sich mit Schuluniformen. Sie sind keineswegs überall vorgeschrieben, bei vielen privaten und einigen Concertado-Schulen aber üblich. Und wer zum ersten Mal eine komplette Schulausstattung kaufen muss, stellt schnell fest, dass auch das ins Geld gehen kann.
Eine pauschale Aussage wie „eine Concertado-Schule kostet 300 oder 500 Euro im Monat“ würde ich deshalb nicht treffen. Die Unterschiede sind einfach zu groß. Man sollte sich bei jeder Schule genau auflisten lassen, welche Kosten tatsächlich entstehen.
Internationale Privatschulen: Da wird es deutlich teurer
Auf Mallorca gibt es eine erstaunlich große Auswahl internationaler Schulen: britische, spanische, deutsche, französische und skandinavisch ausgerichtete Schulen sowie internationale Einrichtungen mit unterschiedlichen Lehrplänen.
Je nach Schule und Jahrgangsstufe muss man grob mit Schulgebühren zwischen etwa 8.000 und 15.000 Euro pro Jahr rechnen. In höheren Jahrgangsstufen kann es auch deutlich mehr werden.
Und mit dem Schulgeld allein ist es häufig nicht getan.
Aufnahmegebühren, Schuluniform, Mittagessen, Lehrmaterial, Schulbus, Ausflüge, Musikunterricht oder ein Instrument können zusätzlich berechnet werden. Wenn man alles zusammenzählt, können bei einer internationalen Privatschule durchaus 20.000 Euro pro Jahr und mehr zusammenkommen.
Auch wichtig zu wissen: Die Gebühren steigen bei vielen Schulen mit zunehmendem Alter der Kinder. Die höheren Klassen bis zum International Baccalaureate – kurz IB – oder einem vergleichbaren internationalen Schulabschluss sind häufig besonders teuer.
Teuer bedeutet nicht automatisch gut
Das ist für mich einer der wichtigsten Punkte überhaupt.
Bei der Wahl einer Schule würde ich nicht nur auf Namen, Gebäude, Hochglanzbroschüren oder Schulgebühren schauen. Viel wichtiger ist die Frage: Wie funktioniert diese Schule im Alltag?
Wie groß sind die Klassen? Wie viele Lehrer und zusätzliche Betreuungspersonen gibt es? Wie hoch ist die Fluktuation bei den Lehrkräften? Und was passiert mit einem Kind, das die Unterrichtssprache noch nicht richtig beherrscht?
Wenn beispielsweise 26 Kinder in einer Klasse von nur einer Lehrkraft betreut werden und ein erheblicher Teil der Kinder die Unterrichtssprache noch nicht ausreichend spricht, wird es zwangsläufig schwierig.
Dann besteht schnell die Gefahr, dass sich der Unterricht am kleinsten gemeinsamen Nenner orientiert.
Deshalb würde ich mir eine Schule immer persönlich ansehen und sehr konkrete Fragen stellen.
Auch die Religion kann eine Rolle spielen
Was man aus Deutschland kommend vielleicht nicht sofort auf dem Schirm hat: Gerade unter den Concertados gibt es auf Mallorca zahlreiche katholisch geprägte Schulen.
Wie stark die Religion tatsächlich den Schulalltag bestimmt, ist sehr unterschiedlich. In manchen Schulen spielt sie eine eher untergeordnete Rolle, in anderen gehören Gebete, Gottesdienste oder Religionsunterricht selbstverständlich zum Schulalltag.
Auch das sollte man vorher wissen – und sich überlegen, ob es zur eigenen Familie passt.
Spanisch, Katalanisch, Englisch – und vielleicht auch noch Deutsch
Eine Besonderheit Mallorcas ist die Zweisprachigkeit. Spanisch – Castellano – und Katalanisch sind Amtssprachen. Auf Mallorca wird die lokale Variante des Katalanischen häufig Mallorquín genannt.
An öffentlichen und Concertado-Schulen spielt Katalanisch als Unterrichts- und Schulsprache eine wichtige Rolle. Wie hoch der Anteil der jeweiligen Sprache tatsächlich ist, hängt vom Schulkonzept und den geltenden Vorgaben ab.
Internationale Privatschulen haben dagegen häufig Englisch, Deutsch oder eine andere Sprache als hauptsächliche Unterrichtssprache. Spanisch und teilweise Katalanisch kommen zusätzlich hinzu.
Das bedeutet: Ein Kind kann auf Mallorca ganz selbstverständlich mit drei oder sogar vier Sprachen gleichzeitig aufwachsen.
Das ist natürlich eine enorme Chance. Für ein Kind, das gerade erst auf die Insel gekommen ist, kann es anfangs aber auch eine große Herausforderung sein.
Und was passiert, wenn wir irgendwann nach Deutschland zurückgehen?
Diese Frage halte ich für besonders wichtig – selbst wenn eine Rückkehr im Moment gar nicht geplant ist.
Wer nicht ausschließen kann, später wieder nach Deutschland zu ziehen, sollte sich genau ansehen, nach welchem Lehrplan die Schule unterrichtet und welche Abschlüsse angeboten werden.
Auf Mallorca gibt es auch ein deutschsprachiges Schulangebot. Eine solche Schule kann den späteren Wechsel nach Deutschland erleichtern. Trotzdem sollte man genau prüfen, welchen deutschen beziehungsweise internationalen Lehrplan die jeweilige Schule anbietet und welche Abschlüsse tatsächlich erworben werden können.
Eine Garantie dafür, dass ein Wechsel in jede deutsche Schulform völlig problemlos funktioniert, gibt es nicht.
Das gilt genauso für britische und internationale Schulen. Ein International Baccalaureate oder ein anderer international anerkannter Abschluss eröffnet viele Möglichkeiten. Bei einem Wechsel während der Schulzeit sollte man trotzdem frühzeitig klären, wie Jahrgangsstufen und Fächer in Deutschland anerkannt werden.
Mein wichtigster Rat: Mit anderen Eltern sprechen
Am Ende kann man noch so viele Webseiten lesen und Informationsbroschüren studieren – am meisten erfährt man meistens von anderen Eltern.
Ich würde deshalb immer versuchen, Kontakt zu Familien aufzunehmen, deren Kinder bereits auf der Schule sind.
Wie groß sind die Klassen wirklich? Wechseln häufig die Lehrer? Wie gut funktioniert die Kommunikation mit der Schule? Wie ist das Mittagessen? Wie viele Hausaufgaben gibt es? Wie hoch sind die tatsächlichen Kosten? Und vor allem: Gehen die Kinder gerne zur Schule?
Das sind Informationen, die in keiner Hochglanzbroschüre stehen.
Und noch etwas wird manchmal vergessen: Man sollte auch das eigene Kind in die Entscheidung einbeziehen. Die teuerste Schule, die Schule mit dem besten Ruf oder dem beeindruckendsten Campus muss nicht automatisch die beste Schule für das eigene Kind sein.
Die richtige Schule ist am Ende die, in der sich ein Kind wohlfühlt, Freunde findet, gerne lernt und sich entwickeln kann.
Das alles ist natürlich nur ein grober Überblick und erhebt keinerlei Anspruch darauf, sämtliche Facetten des spanischen und mallorquinischen Schulsystems abzubilden.
Aber vielleicht hilft er Familien, die vor derselben Frage stehen, vor der viele von uns irgendwann standen:
Welche Schule ist auf Mallorca die richtige für unser Kind?
