Um das Jahr 1990 kamen jährlich etwa fünf Millionen Touristen nach Mallorca. Bis zum Jahr 2000 stieg diese Zahl auf etwa acht Millionen. Das Motto lautete damals: wachsen, wachsen um jeden Preis – je mehr Touristen kommen, desto besser. Diese Haltung hat sich über die Jahrzehnte in allen Landesregierungen durchgesetzt, unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung.
Nur eines wurde dabei nicht bedacht: Immer mehr Hotels, Unterkünfte und Restaurants benötigen Personal – Personal, das irgendwo wohnen muss. Doch das war offensichtlich kein Thema, und die Folgen bekommen wir heute zu spüren. Keine Unterkünfte, keine Arbeitnehmer – und gerade in der Gastronomie werden sie dringend gesucht. Teilweise weichen die Menschen auf Wohnmobile aus, die allerdings nicht gern gesehen sind. Ständig gibt es Streit um Stellplätze, und diese sind rar. Normale Wohnungen wurden in den vergangenen Jahren oftmals mit einer Lizenz zur Ferienvermietung versehen, stehen also als „normaler“ Wohnraum nicht mehr zur Verfügung. Da versucht man allerdings jetzt gegenzusteuern und zumindest die illegale Ferienvermietung einzudämmen.
Im Jahr 2026 kommen etwa 15 Millionen Touristen, und es sollen noch mehr werden. AENA, die staatliche Flughafengesellschaft, baut den Flughafen Son Sant Joan bis 2030 für etwa 17 Millionen Reisende aus. Dafür wurde ein zusätzliches Budget von 630 Millionen Euro bereitgestellt. Wie passt das zu den Protesten auf der Insel gegen den Massentourismus? Wie passt es zu den ständigen Staus, der Überlastung der Straßen und der gesamten Infrastruktur?
Allein in den vergangenen fünf Jahren wurden mehr als 100.000 zusätzliche Autos auf der Insel zugelassen. Hinzu kommen die vielen Touristen, die mit ihrem Wagen anreisen und die Straßen zusätzlich verstopfen. Es gibt immer wieder Versuche, dem entgegenzusteuern. Die neueste Idee besteht darin, den Zustrom ausländischer Autos auf die Insel zu begrenzen oder zumindest zu steuern. Nach dem neuesten Gesetzentwurf darf unter anderem jeder Resident, der hier einen Zweitwohnsitz – etwa eine Ferienwohnung – hat, nur noch ein Auto anmelden. Wer als Tourist mit der Fähre kommt, soll außerdem eine zusätzliche Einfuhrabgabe für sein Auto bezahlen.
Es wird auch wieder gebaut, doch das Wohnungsproblem ist damit bei Weitem nicht gelöst. Die Mieten sind exorbitant hoch. Das liegt allerdings nicht daran, dass die Touristen die Mietpreise festlegen. Die Preise werden von einheimischen Vermietern bestimmt, die natürlich ebenfalls von dem Boom profitieren wollen. Das führt teilweise zu absurden Überbelegungen winziger Unterkünfte.
Aber das ist nicht alles: Probleme wie die Abwasserentsorgung, die Frischwasserversorgung und vieles mehr sind noch immer nicht gelöst. Ich fürchte, es wird sehr lange dauern, bis sich hier etwas ändert. Die Proteste werden mit Sicherheit zunehmen, weil die Menschen diese Zustände nicht länger hinnehmen wollen.
Der Paseo Marítimo, der Boulevard entlang des Hafens von Palma, wurde inzwischen sehr schön umgestaltet und mit vielen neuen Pflanzen versehen. Es lohnt sich, hier einmal spazieren zu gehen. Im Zuge der Sanierung sind jedoch etwa 1.200 Parkplätze weggefallen. Die Gastronomie klagt über massive Umsatzeinbußen, weil die Menschen nicht mehr ohne Weiteres hierherkommen können. Taxis gibt es so gut wie gar nicht. Viele Restaurants und Bars machen dicht, weil das Publikum fehlt.
Das betrifft nur Palma, doch die Probleme sind überall sichtbar. Ich bin gespannt, wie der Konflikt zwischen der Regierung und der Tourismusbranche auf der einen Seite und den Gegnern des überbordenden Tourismus auf der anderen Seite gelöst werden kann. Eine schlüssige Antwort darauf gibt es bislang nicht. Aber warum sollte es hier anders sein als anderswo?
Hinzu kommt das Verhalten einiger Partytouristen – nicht nur aus Deutschland. Manche haben offenbar vergessen, dass sie hier zu Gast sind. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.
